Bevor du mit Double Knitting anfängst, stellt sich eine ganz praktische Frage: Was brauchst du eigentlich?
Die gute Nachricht: weniger als du vielleicht denkst. Kein Spezialequipment, keine teuren Sonderwerkzeuge, keine exotischen Materialien. Was du brauchst, hast du wahrscheinlich schon zum Teil zu Hause — oder du findest es in jedem gut sortierten Wollgeschäft.
Hier ist alles, was du wirklich brauchst.

Das Garn
Garngewicht
Für den Einstieg ins Double Knitting eignet sich am besten ein mitteldickes Garn — also Garngewicht Aran oder DK (double knit, was in diesem Zusammenhang schlicht das englische Wort für die Garndicke ist, nicht die Technik). Dieses Gewicht ist handlich genug, um die Maschen gut zu sehen, aber nicht so dünn, dass die Arbeit zäh wird.
Mit sehr dünnem Garn (Fingering oder Lace) wird Double Knitting anspruchsvoller — das ist eher etwas für Fortgeschrittene. Mit sehr dickem Garn (Bulky) wird das Ergebnis schnell steif und unhandlich. Deshalb für den Anfang am besten: mittig bleiben.
Als Einstieg zeige ich dir hier eine Übersicht der gängigen Garngewichte als Orientierung:
| Bezeichnung | Abkürzung | Lauflänge (ca. pro 100 g) | Empfohlene Nadelstärke |
|---|---|---|---|
| Lace | — | 800 m und mehr | 1,5–2,5 mm |
| Fingering / Sockenwolle | Sock | 350–500 m | 2–3 mm |
| Sport | — | 250–350 m | 3–4 mm |
| Double Knit | DK | 200–250 m | 4–4,5 mm |
| Aran / Worsted | — | 150–200 m | 4,5–5,5 mm |
| Bulky / Chunky | — | 100–150 m | 6–8 mm |
| Super Bulky | — | unter 100 m | 9 mm und mehr |
Für Double Knitting als Einstieg sind DK und Aran die beste Wahl. Die Lauflängenangaben sind Richtwerte. Sie können je nach Hersteller und Fasergehalt leicht abweichen — schau immer auf die Banderole des konkreten Garns.
Fasergehalt
Grundsätzlich funktionieren die meisten Garne beim Double Knitting — mit ein paar Einschränkungen.
Wolle ist die erste Wahl. Sie ist elastisch, verzeiht kleine Ungleichmäßigkeiten und lässt sich nach dem Stricken gut blocken. Besonders Merinowolle ist angenehm in der Handhabung.
Baumwolle funktioniert, hat aber keinen Dehnungseffekt. Das macht das Stricken etwas weniger nachgiebig. Für Topflappen ist Baumwolle jedoch eine gute Wahl — sie ist hitzebeständig und pflegeleicht.
Mischgarne aus Wolle und Baumwolle oder Wolle und synthetischen Fasern sind ebenfalls gut geeignet. Wichtig ist, dass beide Garne — Farbe 1 und Farbe 2 — dieselbe Stärke haben. Unterschiedliche Garngewichte in einem Stück machen die Spannung ungleichmäßig.
Zwei Farben — und warum Kontrast zählt
Double Knitting lebt von der Farbwirkung. Vorderseite und Rückseite zeigen das gleiche Muster in vertauschten Farben. Damit das Muster klar lesbar ist, braucht es Kontrast.
Dunkles Garn und helles Garn funktionieren am besten. Zwei ähnlich helle oder ähnlich dunkle Farben lassen das Muster verschwimmen und es ist nicht richtig zu erkennen.
Wenn du zwei Farben ausgesucht hast, lohnt beim Kauf noch ein kurzer Blick auf die Lauflänge: Beide Knäuel sollten die gleiche Lauflänge haben — nur so entstehen gleichmäßige Vorder- und Rückseiten mit einer ausgewogenen Spannung auf beiden Lagen.
Die Nadeln

Nadelstärke
Beim Double Knitting greift man oft bis zu einer Nummer größer als auf der Garnbanderole empfohlen. Der Grund: Durch das paarweise Stricken entsteht schnell eine dichte, stramme Struktur. Eine etwas größere Nadel sorgt dafür, dass die Maschen locker genug bleiben und das Stück nicht steif wird.
Das ist aber nur ein Richtwert — welche Nadelstärke wirklich passt, zeigt dir erst die eigene Double-Knitting-Maschenprobe.
Nadeltyp
Für Double Knitting empfehle ich dir eine Rundstricknadel. Nicht weil man zwingend in Runden strickt — du kannst damit genauso hin und her stricken wie mit geraden Nadeln — sondern aus zwei anderen Gründen:
Grund 1: Platz für doppelt so viele Maschen. Beim Double Knitting hast du immer doppelt so viele Maschen auf der Nadel wie dein fertiges Stück Maschen hat, da du zwei Seiten gleichzeitig strickst. Die lange Schnur zwischen den Nadelspitzen gibt diesen Maschen den nötigen Platz.
Grund 2: Entlastung für Hände und Schultern. Die Schnur trägt gleichzeitig das Gewicht der Maschen — das entlastet besonders bei größeren Projekten spürbar.
Nadellänge
Bei Rundstricknadeln spielt die Länge der Schnur eine Rolle. Für kleinere Projekte wie Topflappen reicht eine Schnurlänge von 40–60 cm. Für Schals, Tücher und Decken darf es länger sein — 80 cm oder mehr. Die Maschen sollten bequem auf der Schnur liegen, ohne dass sie zu gedrängt oder zu locker sitzen.
Was du sonst noch brauchst
- Maschenmarkierer — praktisch, um den Anfang einer Reihe zu markieren oder Musterwiederholungen zu trennen
- Wollnadel — zum sauberen Vernähen der Fäden am Ende
- Schere — klingt selbstverständlich, fehlt aber gern genau dann, wenn man sie braucht
- Reihenzähler oder Stift — zum Markieren der bereits gestrickten Reihen, besonders hilfreich beim Arbeiten nach Chart
Was du nicht brauchst
Keine Spezialnadeln für Double Knitting. Keine besondere Fadenführung. Keine teuren Hilfsmittel. Alles, was du für normales Stricken verwendest, funktioniert auch hier.
Es gibt Strickende, die mit einem Fadenführer am Finger arbeiten — das kann helfen, die beiden Fäden ordentlich zu trennen. Aber es ist kein Muss. Viele stricken Double Knitting genauso wie alles andere, mit beiden Fäden einfach über einen Finger.
Bereit für den nächsten Schritt?
Jetzt weißt du, was du brauchst. Weiter geht es mit dem Herzstück der Technik:
Wie Double Knitting funktioniert — Grundprinzip, rechte und linke Maschen mit Fadenhaltung → Artikel 3.
Oder schau direkt in meinen Shop, wenn dein Material schon bereitliegt:





