3. Wie Double Knitting funktioniert: Das Grundprinzip und die richtige Fadenhaltung

Du weißt jetzt, was du brauchst. Jetzt kommt das Herzstück: Wie funktioniert Double Knitting eigentlich?

Dieser Artikel erklärt dir das Grundprinzip — bevor du die Nadeln in die Hand nimmst. Wer versteht, was beim Stricken passiert, macht weniger Fehler. Und wer Fehler macht, weiß, warum.


Das Geheimnis hinter Double Knitting

Wenn du ein fertiges Double-Knitting-Stück in den Händen hältst, fragst du dich vielleicht: Wie entstehen zwei vollständige, saubere Seiten — gleichzeitig, auf einer Nadel?

Die Antwort ist einfacher als gedacht. Du strickst nicht zwei getrennte Stücke und nähst sie zusammen. Stattdessen entstehen beide Lagen in einem einzigen Strickvorgang — Masche für Masche, Reihe für Reihe.

Das Geheimnis steckt im Wechselprinzip.

Double-Knitting-Strickstück leicht auseinandergezogen zeigt zwei getrennte Lagen

Das Wechselprinzip

Double Knitting funktioniert, weil jede Masche einer von zwei Lagen zugeordnet ist: der Vorderseite oder der Rückseite.

Du strickst immer paarweise: erst eine rechte Masche für die Vorderseite, dann eine linke Masche für die Rückseite — dann wieder eine für die Vorderseite, dann eine für die Rückseite. Diese Reihenfolge wird nie unterbrochen.

Durch das paarweise Stricken mit wechselnder Fadenhaltung entstehen die zwei Lagen ganz von selbst — sie sind an den Rändern miteinander verbunden. Am Ende hältst du ein doppellagiges Stück in den Händen, das an keiner Stelle vernäht ist.

Bevor du die Nadeln in die Hand nimmst: Wie du die Maschen anschlägst und am Ende wieder abkettest, erkläre ich in Artikel 4. Hier geht es erst einmal ums Verstehen.

Strickmaschen auf der Nadel in zwei Farben beim Double Knitting

Wie die Maschen funktionieren

Beim Double Knitting werden immer zwei Stofflagen gleichzeitig gestrickt. Auf der Nadel liegen die Maschen der Vorderseite und Rückseite abwechselnd nebeneinander. Der wichtigste Grundsatz lautet:

Bei einer rechten Masche liegen beide Arbeitsfäden hinter der Arbeit. Bei einer linken Masche liegen beide Arbeitsfäden vor der Arbeit.

Das ist der Punkt, an dem viele Anfänger durcheinanderkommen.

Grundaufbau

Nehmen wir zwei Farben:

  • Farbe A = Vorderseite
  • Farbe B = Rückseite

Auf der Nadel liegen die Maschen so:

A B A B A B A B

Jede A-Masche gehört zur Vorderseite, jede B-Masche zur Rückseite.

Rechte Masche im Double Knitting

Wenn die nächste Masche eine Vorderseiten-Masche (A) ist:

  1. Beide Fäden liegen zunächst hinter der Arbeit.
  2. Die A-Masche wird rechts gestrickt.
  3. Beide Fäden bleiben danach hinter der Arbeit.

Die rechte Masche wird also genauso gestrickt wie eine normale rechte Masche — nur dass der zweite Faden ebenfalls hinten mitgeführt, aber nicht verstrickt wird.

Die dazugehörige linke Masche

Direkt danach folgt die Rückseiten-Masche (B). Jetzt musst du:

  1. Beide Fäden zwischen den Nadeln nach vorne holen.
  2. Die B-Masche links stricken.
  3. Beide Fäden bleiben zunächst vor der Arbeit.

Auch hier wird die Masche wie eine normale linke Masche gestrickt — entscheidend ist nur, dass beide Fäden vorne liegen.

Der typische Rhythmus

Bei einfachem Double Knitting wiederholt sich ständig:

AktionPosition beider Fäden
Rechte Masche strickenhinten
Linke Masche strickenvorne
Nächste rechte MascheFäden wieder nach hinten
Nächste linke MascheFäden wieder nach vorne

Warum müssen beide Fäden gemeinsam bewegt werden?

Zwischen Vorder- und Rückseite entsteht ein Hohlraum.

Wenn du nur einen Faden nach vorne oder hinten bewegst, erzeugst du sichtbare Fehler. Deshalb bewegen sich beim Double Knitting immer beide Fäden gemeinsam vor bzw. hinter die Arbeit.

Merksatz

Viele Stricker:innen merken sich:

Rechts = beide Fäden hinten

Links = beide Fäden vorne

Das ist die wichtigste Regel im gesamten Double Knitting.


Häufige Verständnisfragen

Was passiert an den Rändern?

An den Rändern werden die zwei Lagen miteinander verbunden. Das passiert durch die Randmaschen — sie schließen das Stück an den Seiten und sorgen dafür, dass Vorder- und Rückseite nicht auseinanderfallen.

Die einfachste Variante funktioniert so:

Am Anfang der Reihe: Die ersten beiden Maschen — je eine von Vorder- und Rückseite — werden zusammen abgehoben, ohne gestrickt zu werden. Beide Fäden liegen dabei vor der Arbeit.

Am Ende der Reihe: Die letzten beiden Maschen — ebenfalls je eine von Vorder- und Rückseite — werden zusammen als eine einzige rechte Masche gestrickt.

Das Ergebnis ist eine saubere, geschlossene Kante — genau das, was du für den Einstieg brauchst. Wenn du später mehr Kontrolle über das Aussehen der Ränder möchtest, zeige ich dir in Stufe 2 eine weitere Variante.

Wann sind die zwei Lagen miteinander verbunden?

1. An den Seitenrändern

Die häufigste Verbindung entsteht an den seitlichen Kanten. Dort wechseln die Fäden von der Vorder- zur Rückseite und halten beide Lagen zusammen.

2. Bei Farbmotivwechseln

Wenn du ein Motiv strickst, tauschen die Farben an bestimmten Stellen ihre Rollen. Statt die rechte Masche mit dem Vorderseitenfaden zu stricken, strickst du sie mit dem Rückseitenfaden — und die linke Masche statt mit dem Rückseitenfaden mit dem Vorderseitenfaden. Die Fäden kreuzen sich dabei zwischen den Lagen und verbinden Vorder- und Rückseite an diesem Punkt.

Das Ergebnis: Das Muster erscheint auf beiden Seiten — mit vertauschten Farben.

  • Vorderseite: weißes Herz auf rotem Grund
  • Rückseite: schwarzes Herz auf weißem Grund

Je mehr Farbwechsel ein Motiv hat, desto mehr solcher Verbindungspunkte entstehen — und desto stabiler liegen die beiden Lagen zusammen.

Strickstück mit Herzmotiv auf beiden Seiten in Kontrastfarben

Bereit für den nächsten Schritt?

Du weißt jetzt, wie Double Knitting funktioniert. Als nächstes lernst du, wie du dein Projekt anfängst und wieder abschließt:

Oder wirf direkt einen Blick in meinen Shop — vielleicht wartet schon die perfekte Anleitung auf dich:

Schreibe einen Kommentar