Du hältst ein Strickstück in den Händen. Eine Seite zeigt ein Herz in Rot auf Weiß. Du drehst es um — und da ist dasselbe Herz, diesmal in Weiß auf Rot. Kein Nähfaden auf der Rückseite. Keine versteckten Fäden. Keine zweite Lage, die irgendwie angenäht wurde. Einfach: zwei vollständige, saubere Seiten. Gleichzeitig gestrickt.
Das ist Double Knitting.

Was ist Double Knitting eigentlich?
Double Knitting — auf Deutsch auch Doubleface stricken genannt — ist eine Stricktechnik, bei der zwei Lagen Stoff gleichzeitig auf einer Nadel entstehen. Du strickst mit zwei Fäden in zwei Farben. Jede Masche gehört entweder zur Vorderseite oder zur Rückseite. Am Ende hältst du ein doppellagiges Stück in den Händen, das auf beiden Seiten vollständig und sauber aussieht.
Das Ergebnis: Vorderseite und Rückseite zeigen dasselbe Muster — aber mit vertauschten Farben.
Ein paar Dinge ist Double Knitting ausdrücklich nicht:
- Kein Doppelstrick im Sinne von doppeltem Faden. Du strickst nicht mit zwei Fäden zusammen, um dickeres Material zu bekommen.
- Kein Intarsia. Beim Intarsia werden separate Garnknäuel für einzelne Farbflächen verwendet. Beim Double Knitting arbeitest du durchgehend mit beiden Farben.
- Kein Fair Isle / Stranded Knitting. Dort wird abwechselnd mit verschiedenen Farben gestrickt, aber es entsteht nur eine Lage — mit Fadenübergängen auf der Rückseite. Beim Double Knitting gibt es keine solchen Überkreuzungen.

Warum lohnt es sich?
Weil das Ergebnis einfach besonders ist. Ein Double-Knitting-Stück fühlt sich anders an als normales Strickwerk — es ist doppelt so dick, angenehm schwer und auf beiden Seiten vorzeigbar. Kein „Innen“ und „Außen“. Nur zwei vollwertige Seiten.
Ich habe fünf Gründe aufgeschrieben, warum mich diese Technik so fasziniert — und warum sie es verdient, öfter gestrickt zu werden. Den Artikel findest du hier: → Doppelter Spaß: 5 Gründe, warum Strickmuster in Double Knitting so faszinieren
Für wen ist Double Knitting geeignet?
Die ehrliche Antwort: für alle, die rechte und linke Maschen stricken können und einen normalen Maschenanschlag beherrschen. Mehr Vorwissen brauchst du nicht.
Du musst kein Profi sein. Du musst noch nie von Double Knitting gehört haben. Du musst auch keine Erfahrung mit Farbstrickerei mitbringen.
Was du mitbringen solltest: ein bisschen Geduld für den Einstieg und die Bereitschaft, die Technik in Ruhe kennenzulernen. Die ersten Reihen fühlen sich ungewohnt an. Das ist normal. Nach kurzer Zeit entwickeln deine Hände ein Gefühl für den Rhythmus — und dann macht es so richtig Spaß.
Wen du schon Erfahrung im Stricken hast, wirst schnell merken: Das Grundprinzip ist gar nicht so kompliziert, wie es klingt. Es ist vor allem anders. Und dieses Anderssein ist das Schöne daran.
So ist diese Serie aufgebaut
Diese Blogserie ist dein Lernpfad durch die Welt des Double Knitting. Sie ist in drei Stufen gegliedert:
Stufe 1 — Verstehen & Anfangen Du lernst die Grundlagen: Wie funktioniert die Technik, was brauchst du, wie liest du einen Chart — und du strickst deinen ersten Topflappen.
Stufe 2 — Sicherer werden Die Grundtechnik sitzt. Jetzt kommen Maschenprobe, Farbmuster, Fehlerkorrektur und größere Projekte: Schal, Tuch, Decke.
Stufe 3 — Fortgeschritten & Vielseitig Du meisterst komplexe Charts, lernst Zunahmen und Abnahmen, steigst ins Rundstricken ein, strickst ein Dreieckstuch und, wenn du möchtest, eine Wärmflaschenhülle.
Starte hier in Stufe 1 mit diesen Artikeln:
- [Material, Nadeln: Was du für Double Knitting brauchst → Artikel 2]
Bereit loszulegen?
Dann geht es jetzt weiter mit Artikel 2:
Material & Nadeln — was du für Double Knitting brauchst
Oder du schaust direkt in meinen Shop — vielleicht ist schon eine Anleitung dabei, die dich anspringt. Die Grundlagen holst du dir in dieser Serie.





